• 06 JUL 16
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    Suche nach attraktiveren Innenstadt

    Suche nach attraktiveren Innenstadt

    Es ist ein Dauerthema: Wie kann die schöne Schorndorfer Innenstadt noch attraktiver werden? Wie wird aus dem Marktplatz auch abseits der Großveranstaltungen ein beliebter Aufenthaltsort oder Treffpunkt? Wie kann der Einzelhandel gestärkt werden? Seit einiger Zeit ist Bewegung in diesem Thema. So umfangreich und aufwendig wie beim „Innenstadtkonzept“ wurde dieses heiße Eisen noch nie angepackt. Deshalb ist es auch der Schwerpunkt dieser Ausgabe. Wir haben uns bei der Stadtverwaltung nach dem aktuellen Stand der Entwicklung erkundigt und um eine Prognose gebeten. Zudem lassen wir drei unserer Mitglieder zu Wort kommen.


    Stadtentwickler Lars Scheel: „Wir betreiben einen großen Aufwand – in zwei bis drei Jahren wird man erste Ergebnisse sehen“

    Lars Scheel, wie sieht für Sie die perfekte Schorndorfer Innenstadt aus?

    Die perfekte Innenstadt ist eine gelungene Kombination aus Fachwerk, Platzanlagen und Gottlieb Daimler. Und einem Marktplatz, der ein echter Treffpunkt ist.

    Und wie weit ist man auf dem Weg dorthin?

    Was das Konzept betrifft, da sind wir bei 70, 80 Prozent. Es wurden Erhebungen gemacht, Workshops veranstaltet, rund 80 Gewerbetreibende interviewt, Ziele gesteckt. Jetzt gilt es, diese Ziele in die jeweiligen Gremien zurückzubringen.

    Das klingt gut und wird von den Teilnehmern auch gelobt. Gab und gibt es im bisherigen Prozess aus Ihrer Sicht auch Probleme?

    Irgendwie fehlt noch die gemeinsame Plattform. Es sind schließlich viele Mitspieler: Stadtmarketing, Wirtschaftsförderung, Centro und der BDS. Alle unter einen Hut zu bekommen ist nicht immer einfach. Und es gab auch eine kleine Enttäuschung: Die Ideenwerkstatt zuletzt war sehr schlecht besucht. Ich habe nur die bekannten Gesichter gesehen – dabei betrifft dieses Thema doch uns alle.

    Es war auch Kritik zu hören, dass die beauftragte Agentur zu Beginn zu wenig über Schorndorf gewusst und der Stadt zunächst einfach ein Konzept übergestülpt habe. Wie haben Sie das wieder in die Spur gebracht?

    Halt. Da muss ich die Kollegen von der Agentur in Schutz nehmen. Die haben sich selbstverständlich auch individuelle Gedanken über Schorndorf gemacht. Aber natürlich gab es auch Parallelen zu den Problemen anderer Städte, mit denen sie bereits zusammengearbeitet haben. Insgesamt ist es ein gutes und fruchtbares Miteinander, aber auch hier gibt es das übliche gegenseitige Lernen.

    Die BDS-Mitglieder begrüßen, dass sich die Stadt des Themas annimmt. Aber sie fragen sich auch, was passiert, nachdem die Ergebnisse da sind. Oder noch schlimmer: ob überhaupt etwas passiert?

    Keine Sorge: Es wird etwas passieren. Sonst würde doch schon allein meine Anstellung keinen Sinn ergeben. (Schmunzelt.) Aber im Ernst. Unser Ziel ist es nicht, nur ein Konzept zu erstellen. Wir betreiben hier einen großen Aufwand und haben richtig etwas losgetreten. Das Thema ist in den Köpfen angekommen.

    Aber?

    Kein Aber. Nur der Hinweis, dass die Dinge in der Politik und in der Verwaltung eben immer etwas Zeit benötigen. Aber auch das ist völlig normal.

    Wann geht es denn an die Umsetzung?

    Das fängt schon jetzt an. Wir wollen die Sofortmaßnahmen in den Haushalt 2017 einbringen, da geht es zum Beispiel um die Gestaltung von Neue Straße und Rosenstraße. Die Kernprojekte werden mittelfristig umgesetzt. Zum Beispiel das Thema Unterer Marktplatz. Das ist auch verknüpft mit dem neuen Omnibusbahnhof. Da hängen viele Dinge zusammen, deshalb funktioniert das leider nicht von heute auf morgen. Aber ich denke, in zwei bis drei Jahren wird man auch hier erste Ergebnisse sehen können.

    Lars Scheel, 31, ist bei der Stadt Schorndorf für die Stadtentwicklung zuständig

    Andreas Erdmann: „Aufenthaltsqualität muss erhöht werden“

    „Ich finde es gut, dass die Verwaltung erkennt, wie wichtig eine attraktive Innenstadt ist, und begrüße die Herangehensweise. Bei einigen Punkten, die wir bei der Innenstadtkonzeption besprochen haben, beschleicht mich aber das Gefühl, dass es Alibi-Themen sind. Bei den Parkgebühren zum Beispiel werden wir Einzelhändler nicht gehört. Dabei lebt die Innenstadt vom Einzelhandel. Das spürt man leider nicht überall. Es ist in den Köpfen noch nicht angekommen, dass wir unter massiven Rückgängen leiden, was nicht nur am Internethandel und an Einkaufszentren außerhalb liegt, sondern auch am Trend, Gesundheitszentren am Stadtrand zu errichten. Arztpraxen verschwinden aus der Mitte – und damit viel „Durchgangsverkehr“. Wir müssen die Aufenthaltsqualität erhöhen. WLAN war ein guter Schritt, der Marktplatz muss belebt werden, ein Parkleitsystem wäre gut, beim Parken sollten 30 Minuten frei sein, und der Warenkorb muss stimmen.“

     

    Claudia Maurer-Bantel: „Thema Zufahrten ist elementar wichtig“

    „Der Ansatz der Stadt ist sehr gut und wichtig. Zumal es noch viel Entwicklungspotenzial gibt. Es wird beim Innenstadtkonzept sehr vielschichtig gearbeitet, das finde ich gut. Ebenso die Herangehensweise mit Profis, die den wichtigen Blick von außen haben. Als Mitglied der Arbeitsgruppe Verkehrskonzept war ich allerdings ein wenig enttäuscht, dass unsere Grundanliegen gar nicht weiter verfolgt werden. Mit dem Hinweis, da laufe bereits parallel eine Analyse der Stadt. Ich empfinde das Thema Zufahrten als elementar wichtig, da hätten wir uns gerne etwas mehr eingebracht und eine ganzheitlichere Betrachtungsweise gewünscht. Zumal es ja auf keinen Fall geschadet hätte, sich unseren Input anzuhören. Die perfekte Innenstadt hat für mich einheitliche Kernöffnungszeiten, einen guten Handelsmix sowie gut ausgeschilderte und schnell erreichbare Parkplätze mit fairen Preisen – am besten mit einer Brötchentaste wie in Waiblingen.“

     

    Roland Veil: „Es darf nicht nur ein Konzept bleiben“

    „Ich sehe das Innenstadtkonzept insgesamt positiv. Es ist das Beste, was derzeit machbar ist. Bisher hat sich niemand wirklich an das Thema herangewagt, jetzt wird es gleich richtig und umfangreich angegangen. Meine Idealvorstellung wäre, dass es auf dem Marktplatz mehr feste Einrichtungen gibt, zum Beispiel Cafés oder einen Kiosk. Und man sollte in der Hinsicht auch gestalterisch mehr tun. Ich fände es schön, den Unteren Marktplatz ebenfalls zur Fußgängerzone zu machen und dafür unter dem Marktplatz eine Tiefgarage zu bauen. Gute Ideen gibt es einige. Von vielen Menschen aus zahlreichen Interessensgruppen. Ich bin gespannt, wie schnell es gehen wird, diese Ideen umzusetzen. Da muss auch der BDS am Ball bleiben und sich dafür starkmachen, dass es nicht nur bei einem Konzept bleibt. Außerdem halte ich eine parallele Verkehrskonzeption für enorm wichtig. Was nützt die schönste Stadt, wenn man nicht hinkommt . . .“

     

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